Pflasterbeläge sind befestigte Flächen aus einzelnen Steinen, die mit Fugen verlegt werden und vor allem bei Wegen und öffentlichen Plätzen zum Einsatz kommen. Je nach Nutzung und Material unterscheiden sich diese Fugen: Eng verfugte Beläge – häufig aus regelmässigen Betonsteinen – bilden eine eher geschlossene Oberfläche. Natursteinpflaster dagegen ist unregelmässiger, wodurch breitere Fugen entstehen, die je nach Ausführung mit Sand, Splitt oder für eine sehr saubere Optik zementgebunden gefüllt werden. Alternativ lassen sie auch Raum für bewusste Begrünung.
Der Aufbau von Pflasterbelägen erfolgt in der Regel nach SIA-Richtlinien: Auf eine tragfähige Kiesfundation wird der Belag in einer Splittschicht verlegt. «Splitt hat gegenüber Sand den Vorteil, dass er kaum Feinanteile enthält und daher weniger anfällig für Bewuchs ist», erklärt Peter Schlachter, Gärtnermeister und Präsident von Naturgarten Schweiz. Als Unterbau kann neben der klassischen Kiesfundation auch Beton eingesetzt werden. Dies sollte jedoch nur dort erfolgen, wo es funktional unbedingt notwendig ist, zum Beispiel bei stark belasteten Flächen durch Fahrzeuge, bei hohen Anforderungen an die Formstabilität oder bei schwierigen Baugrundverhältnissen. Aus ökologischer Sicht ist Beton zurückhaltend einzusetzen, da seine Herstellung mit hohen CO₂-Emissionen verbunden ist.
Ein zentraler Aspekt ist zudem der Umgang mit Wasser: «Versickerungsfähige, offenporige Beläge ermöglichen, dass Regenwasser direkt vor Ort aufgenommen wird. Aber auch nicht versickerungsfähige Beläge sollten über die Schulter entwässert werden, also idealerweise in angrenzende Grünflächen», betont Peter Schlachter. Ziel ist es, das Wasser im Sinne des Schwammstadt-Prinzips möglichst vor Ort zu halten und die Kanalisation zu entlasten.
Biodiversität versus Barrierefreiheit und Sauberkeit
Das sind die baulichen Voraussetzungen von Pflasterbelägen. Weitere Aspekte ergeben sich aus den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen im öffentlichen Raum: Wege sollen für alle barrierefrei und sicher nutzbar sein und vielfach auch ein «sauber geputztes», gepflegtes Erscheinungsbild bieten. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach mehr Biodiversität und Natur sowie nach Flächen, die zur Hitzeminderung beitragen. In vielen Gemeinden ist letzteres auch bereits strategisch verankert. Peter Schlachter ist überzeugt: «Mit sinnvollen Kompromissen lassen sich diese Spannungsfelder lösen.»
«Bei Hauptwegen, Zugängen und überall dort, wo sich die Leute bewegen, kann man mit geschlossenen Fugen arbeiten», sagt Peter Schlachter. Diese gewährleisten eine gute Begeh- und Befahrbarkeit für ältere Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen. «Auch chaussierte Beläge, also Kiesbeläge mit mineralischem Gemisch, sind eine Variante. Gerade für Begegnungszonen werden sie auch im städtischen Raum vermehrt eingesetzt.» Solche Flächen sind rollstuhlgängig und versickerungsfähig.
Gleichzeitig eröffnen weniger stark frequentierte Bereiche – etwa Nebenwege oder Randzonen – die Möglichkeit, den Belag fliessend aufzulösen und mit begrünten Fugen zu arbeiten. «Diese Fugen bilden eigene Lebensräume, in denen sich bestimmte Kräuter ansiedeln können; dafür gibt es spezielle Samenmischungen», erklärt der Experte und ergänzt: «Fliessende Übergänge zwischen stark genutzten, sauberen Flächen und naturnah gestalteten Bereichen wirken besonders dann harmonisch, wenn auch die Umgebung entsprechend naturnah gestaltet ist.»
Gut kommuniziert, ist halb gewonnen
Damit ein solcher Ansatz akzeptiert wird, braucht es Kommunikation: Informationstafeln vor Ort, Hinweise in Gemeindemedien oder direkte Gespräche helfen, Verständnis zu schaffen und zeigen, dass eine naturnahe Gestaltung kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung ist, die auch mit der Barrierefreiheit vereinbar ist.
Und noch ein weiterer Aspekt spricht für möglichst offene Beläge: «Geschlossene Flächen zerschneiden Grünräume», betont Peter Schlachter. «Das heisst, schon ein drei Meter breiter Weg ist für viele Insekten ein unüberwindbares Hindernis, mit der Folge einer genetischen Verarmung, weil Populationen voneinander getrennt werden.»
Offene oder begrünte Fugen hingegen schaffen Verbindungselemente. «Sobald ein gewisser Grünanteil vorhanden ist, entstehen Trittsteine, die den Austausch von Insekten ermöglichen.» Gleichzeitig wirken begrünte Flächen der Aufheizung entgegen: Sie speichern weniger Wärme und tragen zu einem ausgeglicheneren Mikroklima bei.
Unterhalt zwischen Toleranz und Technik
Und was bedeutet das nun für den Unterhalt? Fakt ist: Auch in engen Fugen siedeln sich mit der Zeit Flugsamen an und sorgen für Bewuchs. Wie viel Toleranz Unterhaltsverantwortliche zulassen können, ist jeweils abzuwägen. Wird Beikraut bekämpft, wirkt regelmässiges Wischen – etwa mit der Kehrmaschine – vorbeugend. Für die eigentliche Bekämpfung eignen sich mechanische Verfahren wie Unkrautbürsten oder thermische Methoden mit Heisswasser oder Heissdampf. «Aber bitte keine Hochdruckreiniger», betont Peter Schlachter: «Dabei werden Feinanteile aus den Steinen ausgewaschen, die Oberfläche wird rauer und Schmutz inklusive Samen haften in der Folge noch stärker an.»
Auch beim Winterdienst ist Vorsicht geboten. «Salzen ist bei offenen Belägen keine Option, da es die Steine, den offenen Untergrund sowie benachbarte Grünflächen schädigt. Sinnvoll ist auch hier, nur die wichtigsten Wege schwarz zu räumen – etwa mit dem Schneepflug oder bei wenig Schnee mit der Kehrmaschine – und den Schnee in Randbereichen bewusst liegen zu lassen. Zumal Schnee in tieferen Lagen in der Regel ohnehin nicht dauerhaft liegen bleibt.»
Und so lässt sich abschliessend sagen: Kompromisse helfen, unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse abzudecken und auch ästhetische Ansprüche zu erfüllen, wobei sich Letztere im Sinne von Biodiversität, Hitzeminderung und Klimawandel allmählich verändern. Es entsteht ein neues Verständnis davon, was schön ist. Doch ein solches Umdenken braucht Zeit. Gute Kommunikation hilft dabei, denn steter Tropfen höhlt den Stein, das wussten schon die alten Römer.
Der Experte Peter Schlachter
ist Inhaber von Flückiger Gartenbau,
einem Bioterra-Betrieb für naturnahen
Gartenbau. Zudem präsidiert er Naturgarten Schweiz, den Branchenverband für
naturnahen Gartenbau im Siedlungsraum mit Fokus auf Biodiversität und naturnahes Gärtnern. Schlachter ist eidgenössisch
diplomierter Gärtnermeister und verfügt über Weiterbildungen zum Fachmann für naturnahen Gartenbau.