In der professionellen Gebäudereinigung muss Reinigungschemie eine hohe Reinigungsleistung bieten, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig sollte sie am besten schadstofffrei sein und keine Allergene enthalten. Dieser Spagat ist nicht leicht zu schaffen, und doch sind in Bereichen wie Kommune, Industrie oder Hotellerie zunehmend umweltschonende Reinigungsmittel gefragt, um vorgegebene oder selbst gesteckte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Nachhaltig und leistungsstark: Wie geht das?
Reinigungsmittel, die umweltschonend sind und Anwender wenig bis gar nicht belasten, stellen an die Entwicklung grosse Herausforderungen. Hersteller müssen bewerten, wie potenziell in Frage kommende, nachhaltige Rohstoffe bezüglich gesundheitsschädlicher Substanzen, Allergenen und Sicherheit abschneiden. Zudem sollten sie keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion darstellen, sondern Abfallprodukte daraus sein, was zum Beispiel bei Weizenkleie oder Mais realisierbar ist. In der Beschaffung müssen sie wirtschaftlich sein, damit das Endprodukt für Kunden bezahlbar bleibt.
Sind über erste Laboranalysen passende Rohstoffe ausgewählt, wird auf dem Weg zum finalen Reinigungsmittel eine Vielzahl an Formulierungen getestet. Wischtests mit angemischtem Testschmutz zeigen für verschiedene Kombinationen und Mischungsverhältnisse auf, wann sich zwischen Rohstoffen positive Effekte ergeben, die die Leistung verstärken. Gibt es ein Vergleichsprodukt auf Basis einer konventionellen Rezeptur, so ist das Ziel, mit naturbasierten Rohstoffen die gleiche Reinigungsleistung zu realisieren. Anwender können vor der Auswahl von Reinigungsmitteln mit dem Hersteller klären, welche Strategie er bei der Auswahl von umweltschonenden Rohstoffen verfolgt, um diese mit den eigenen Nachhaltigkeitszielen abzugleichen.
Intensiv testen und vergleichen
Sind die Rohstoffe ausgewählt und die Eckpfeiler für das finale Produkt definiert, wird zur anwendungstechnischen Überprüfung eine Versuchsrezeptur als Muster produziert. Darauf folgen bei einem Industriereiniger zum Beispiel Tests auf Flächen mit passendem Verschmutzungsgrad, wobei neben der Leistung überprüft wird, ob das Reinigungsmittel schaumarm ist und sich somit in einer Scheuersaugmaschine problemlos einsetzen lässt. Am Ende stehen ausführliche Feldtests beim Kunden sowie eine sicherheitstechnische Bewertung, wozu unter anderem die Einstufung gemäss der europäischen CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) zählt.
Danach startet die erste Serienproduktion, die mit einer aktiven Marktbeobachtung verknüpft ist. Dabei wird analysiert, ob Rückmeldungen von Kunden Anlass dazu geben, das Produkt nochmals zu modifizieren. Wer in der Gebäudereinigung ein konventionelles Produkt durch ein nachhaltiges Reinigungsmittel ersetzen möchte, kann durch einen Vergleichstest verifizieren, ob die gewünschte Reinigungsleistung erzielt wird.
Duft und Farbe: Vorlieben variieren
Was bei der Wahl nachhaltiger Reinigungsmittel eine grosse Rolle spielt, ist der Umgang mit Farb- und Duftstoffen. International agierende Gebäudedienstleister und Anwender in Industrie oder Hotellerie sollten dabei berücksichtigen, dass zum Beispiel in nordeuropäischen Ländern die Anwendersicherheit mit Blick auf mögliche Allergene im Vordergrund steht. Farb- und Duftstoffe sollten daher nicht im Reinigungsmittel enthalten sein.
Dagegen besteht in südeuropäischen Ländern der Wunsch, Sauberkeit auch über den Duft wahrzunehmen und ein Reinigungsmittel mit Duftstoff einzusetzen. Der Verzicht auf Farbstoffe ist eher unproblematisch, die Farbcodierung nach der Farbmethodik – also zum Beispiel Rot für Toiletten und Urinal – muss dann allerdings über die Etikettierung erfolgen.
Eine Sache des Gefühls: Neue Reinigungsmittel einführen
In der Gebäudereinigung sind Reinigungsmittel das Produkt, mit dem Reinigungskräfte am unmittelbarsten arbeiten. Dementsprechend ist ein Wechsel der Reinigungschemie durchaus ein emotionales Thema, denn die Mitarbeitenden haben sich an Duft, Farbe und Reinigungsleistung gewöhnt. Selbst wenn das neue Produkt nachhaltig ist, weniger Allergien verursacht und gemäss CLP-Verordnung nicht eingestuft ist, sollte die Umstellung vorbereitet und nicht nur verordnet werden. Die CLP-Verordnung ist eine EU-Chemikalienverordnung, die die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen regelt (CLP: Classification, Labelling and Packaging).
Es bietet sich an, das für die Reinigung zuständige Personal aktiv in die Testphase einzubeziehen und diese so einfach wie möglich zu gestalten. Der Hersteller kann beispielsweise durch Dosiersysteme oder Piktogramme die Handhabung
der neuen Reinigungschemie erleichtern, auch eine gemeinsame Anpassung der Reinigungspläne macht Sinn. Wer auf diese Weise dafür sorgt, dass sich die Belegschaft an die neuen Reinigungsmittel gewöhnt und deren Vorteile korrekt einzuschätzen weiss, vermeidet eine Blockadehaltung. Am Ende stehen eine reibungslose Umstellung, die gewünschten Reinigungsergebnisse und damit zufriedene Gebäudenutzer.
Was ist eigentlich nachhaltige Reinigungschemie?
Es hängt von vielen Faktoren ab, wie nachhaltig ein Reinigungsmittel ist. Nachwachsende Rohstoffe, beispielsweise auf Pflanzenbasis, können zum Beispiel petrochemische Rohstoffe, die auf Erdöl basieren, ersetzen. Der Verzicht auf Phosphate, Mikroplastik oder schwer abbaubare Konservierungsstoffe ist ebenfalls wichtig. Zum Schutz der Anwender tragen Produkte bei, die gemäss CLP-Verordnung nicht eingestuft sind und keine zugesetzten Parfümöle sowie Farbstoffe enthalten.
Biologisch abbaubare Reinigungsmittel können in der Kläranlage beseitigt werden, so dass sie Gewässer nicht belasten. Der CO₂-Fussabdruck von der Herstellung der Rohstoffe bis hin zum Transport ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Generelle Themen wie die Verwendung von Rezyklat in den Gebinden anstelle von Neukunststoff oder der Einsatz von Konzentrat, das sich im Vergleich zu gebrauchsfertigen Produkten sparsam dosieren lässt und durch kleinere Gebinde weniger Verpackungsmüll erzeugt, können ebenfalls berücksichtigt werden.