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Strassenreinigungsmaschine an einem See
Foto: Ad.Bachmann

Moderne Kehrtechnik für vielfältige Einsätze

Werkhofteams stehen in der Strassenreinigung vor vielen Herausforderungen. Moderne Kehrmaschinen bieten die entsprechenden Lösungen: modular, digital und wartungsfreundlich. Ein Überblick über Trends, Anforderungen und Praxislösungen.

Mitarbeitende von Werkhöfen sind in der Strassenreinigung täglich gefordert. Sie wischen nicht nur Strassen und Gehwege, sondern erledigen auch viele Extraaufgaben, wie Abfall­eimer leeren oder Wildkraut entfernen. Oft geschieht dies unter Zeitdruck, bei hohem Verkehrsaufkommen oder zu Randzeiten und dann mit Rücksicht auf Lärmschutzvorgaben. Moderne Kehrmaschinen sind mit ihrer modularen Ausstattung auf diese Herausforderungen ausgelegt und digitale Tools helfen bei der effizienten Tourenplanung.

Ausstattung: Modular und vielseitig
Beginnen wir mit der klassischen Kehrarbeit. «Hier kommen je nach Kehrbreite Zwei- bis Drei-Besen-Systeme zum Einsatz», erklärt Roberto Chechele, Geschäftsführer von Hako. Daneben gibt es viele Sonderausstattungen für die vielfältigen Zusatzaufgaben, die in der Strassenreinigung anfallen: «Punktuelle Verschmutzungen wie Hundekot oder Essensreste lassen sich mit einem integrierten Hochdruckreiniger entfernen – je nach Modell mit Kalt- oder Warmwasser. Für grössere Flächen eignen sich Schrubb­decks und Schwemmbalken, mit denen Fahrbahnen gereinigt und staubfrei gehalten werden. Ein mobiler Sauger kann überfüllte Abfallbehälter entleeren, eine rotierende Waschbürste Leitpfosten reinigen und je nach Konfiguration lassen sich Kehr- und Wildkrautbeseitigung kombinieren, zum Beispiel mit einem rechtsseitig geführten Kehrbesen mit spezieller Schnittkante, der Wildkraut mechanisch entfernt.»

Schmutzarten: Feinstaub im Fokus
Nebst den vielfältigen Aufgaben, die anfallen, stellt auch die Art des Schmutzes unterschiedliche Anforderungen an die Reinigung: Abfälle, Laub, Sand, Ölspuren und zunehmend Feinstaub. Gerade in Städten gerät dieser wegen seiner gesundheitlichen Auswirkungen verstärkt in den Fokus und die Ansprüche an die moderne Kehrtechnik steigen entsprechend an. «Kehrmaschinen können Drehzahl und Leistungsstufen in der Regel flexibel an die Art und Intensität der Verschmutzung anpassen. Insbesondere bei der Feinstaubbindung braucht es inzwischen aber noch wirkungsvollere Systeme», sagt Tobias Wobmann, Product Manager Professional bei Kärcher Schweiz.

Der EUnited PM-Test ist ein europaweit anerkanntes Prüfverfahren. Es misst, wie viel Feinstaub beim Kehren auf­gewirbelt wird. Entwickelt wurde der Test 2012 vom europäischen Hersteller­verband EUnited. Der Verband vergibt in der ­Kommunaltechnik unabhängige Zertifikate, etwa für Reinigungsleistung, Fein­staubaufnahme oder Geräuschpegel von Maschinen.

Erfüllt ein Gerät die Testanforderungen, wird es mit dem EUnited PM-Testlabel ausgezeichnet. Kärcher-Maschinen erzielen im Bereich Feinstaub die Maximalwertung von vier Sternen. «Die Grundlage für die Zertifizierung legt unser serienmässiges Wasserrecycling-System», erklärt Tobias Wobmann. «Es bindet Feinstaub im Umlauf, indem Wasser zwischen Saugkanal und Schmutzwassertank zirkuliert. Das verhindert die Wiederfreisetzung der Partikel und senkt gleichzeitig den Frischwasserbedarf. Eine Lösung, die deutlich mehr Fein­staub zurückhält als herkömmliche Filtersysteme.»

Digitale Routenplanung: Effizienz steigern
Neben Feinstaub müssen Kehrmaschinen auch mit grobem Schmutz umgehen, mit Glas, Aluminium oder Kunststoff. Solche Materialien lassen sich von Kehrmaschinen zwar zuverlässig aufnehmen, aber noch nicht selektiv erfassen und direkt dem Recycling zuführen. «Davon sind wir weit entfernt und es bleibt abzuwarten, was zukünftige Entwicklungen in der KI-gestützten Sensorik ermöglichen», so Tobias Wobmann von Kärcher.

Anders in der Routen- und Personalplanung, hier leisten digitale Tools bereits gute Dienste. «Mit herstellerunabhängigen Plattformen wie unserem IntelliOPS kann man Einsätze planen, Routen erstellen und die ganze Flotte mit einem Echtzeit-­Monitoring überwachen», erklärt Angelo Mattioli, Verkaufsleiter Schmidt Kommunaltechnik bei Aebi Schmidt Schweiz. «Durch die digitale Routenplanung lassen sich geräuscharme, vollelektrische Modelle gezielt für Einsätze in Wohngebieten einplanen, während konventionelle Maschinen in weniger sensiblen Bereichen eingesetzt werden können.»

Darüber hinaus helfen Auswertungen, künftige Planungen zu verbessern. Auch die Ferndiagnose ist möglich: «Sie hilft, technische Störungen frühzeitig zu erkennen, Ausfallzeiten zu reduzieren und eine Wartungsplanung auf Basis des tatsächlichen Maschinenzustands zu erstellen. Das erhöht die Verfügbarkeit der Maschinen und senkt langfristig die Betriebskosten.»

Wartung: Garantiert Leistung und Lebensdauer
Die digitale Einsatzplanung unterstützt also nicht nur die Reinigungsarbeit selbst, sondern auch die Wartung. «Gerade bei stark beanspruchten Kehrmaschinen ist diese zentral», erklärt Aaron Schmid, Leiter Produkte und Vertrieb der Ad.Bachmann AG. «Zu den typischen Verschleissteilen gehören nämlich nicht nur die Borsten der klassischen Teller­besen, sondern zum Beispiel auch die Walzenbürsten, die über die gesamte Arbeitsbreite rotieren.»

Oder die flexiblen Gummilippen: «Sie dichten die Verbindung zwischen Saug­rohr und Strasse ab und nur, wenn diese zuverlässig anliegen und keine Luft entweicht, kann die Kehrmaschine den zusammengefegten Schmutz effizient über das Saugrohr aufnehmen. Da diese Gummilippen hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, müssen sie regelmässig kontrolliert und bei Bedarf ersetzt werden. Oder Saugschläuche, die für ergänzende Reinigungsaufgaben genutzt werden – auch sie können durch ständigen Bodenkontakt beschädigt werden.»

Wie häufig Kehrmaschinen letztlich kontrolliert werden sollten, hänge vom jeweiligen Einsatzprofil ab. «Bei durchschnittlicher Nutzung empfiehlt sich eine wöchentliche Sichtkontrolle der Verschleissteile. Täglich sollten Gelenke, Lager, Zylinder sowie Lenk- und Achskomponenten geschmiert und die Besen kontrolliert werden. Zusätzlich definieren die Hersteller feste Wartungsintervalle. Wir erinnern unsere Kunden mindestens einmal jährlich an die fällige Servicekontrolle», erklärt Aaron Schmid von der Ad.Bachmann AG, die damit ihrerseits zur Sauberkeit auf den Strassen beiträgt.