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zwei Männer, einer von aussen einer von innen, am Fenserreinigen
Foto: barrientos reinigungen

Fensterreinigung: Planung, Praxis und neue Ansätze

In welchem Rhythmus wird eine Fensterreinigung empfohlen, welche Reinigungs- und Hilfsmittel kommen zum Einsatz, und welche Rolle spielt die Osmosereinigung? Der Experte Alejandro Barrientos im Interview.

Herr Barrientos, wie oft sollten Fenster und Storen gereinigt werden?
Alejandro Barrientos: Es wird empfohlen, die Fenster innen und aussen einmal pro Jahr zu reinigen. Je nach Lage oder Beanspruchung eines Gebäudes kann eine zweimalige Reinigung pro Jahr nötig sein. Bei Lamellenstoren ist oft ein Zwei-Jahres-­Rhythmus vorgesehen. Aus unserer Sicht ist es jedoch sinnvoll, sie mit der jährlichen Fensterreinigung zu kombinieren, um ein einheitliches Ergebnis zu erzielen.

Inwiefern stimmt man die Innen- auf die Aussenreinigung ab?
Alejandro Barrientos: Wir reinigen jeweils zuerst die Storen, dann Rahmen, Sims, Fensterrillen und abschliessend parallel die Fenster, und zwar innen und aussen. Nur so lässt sich die Sauberkeit der Fenster richtig kontrollieren.

Wie viel Zeit planen Sie dafür ein?
Alejandro Barrientos: Für ein Fenster in der Standardgrösse von 80 mal 120 Zentimetern rechnen wir mit rund 90 Minuten: 60 Minuten für die Lamellenstoren und 30 Minuten für Rille, Rahmen und Glas.

Welche Rolle spielt das Wetter bei der Reinigung?
Alejandro Barrientos: Eine kleinere, als viele denken. Bei Regen kann man zum Beispiel die Storen und Rahmen bereits reinigen, weil das den grösseren Teil der Arbeit ausmacht. Das Glas kann man dann gut in einem zweiten Schritt und bei trockener Witterung reinigen.

Welche Reinigungsmittel kommen zum Einsatz?
Alejandro Barrientos: Für Rahmen und Rillen empfehlen wir Mikrofasertücher und einen leicht alkalischen Grundreiniger. Für die Fenster selbst eignet sich klassische Fensterseife. Sie wirkt als Netzmittel, das heisst, sie bricht die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch verteilt sie sich gleichmässiger auf der Glasfläche, anstatt in Tropfen abzuperlen. So wird der Schmutz besser gelöst und beim Abziehen bleiben weder Film noch Schlieren zurück.

Mit welchen Hilfsmitteln arbeiten Sie?
Alejandro Barrientos: Wir tragen die Seife mit einem Einwascher und Fellaufsatz auf. Anschliessend ziehen wir das Schmutzwasser mit einem Abzieher ab. Die Ränder, die dabei nicht ganz erreicht werden, trocknen wir mit einem Mikrofasertuch nach. Im Gegensatz zu einer Fassadenreinigung müssen wir das Abwasser übrigens nicht auffangen und separat entsorgen.

Worauf ist bei empfindlichen Materialien von Fensterrahmen und Fassaden zu achten?
Alejandro Barrientos: Die Materialien rund ums Glas wie Holz, Aluminium oder Kunststoff reagieren sehr unterschiedlich auf Reinigungsmittel. Das ist besonders bei der Bauendreinigung ein Thema. Denn Fenster werden auf Baustellen oft früh eingebaut und sind dann über längere Zeit Rückständen wie Gips, Mörtel oder Zementstaub ausgesetzt. Da viele dieser Rückstände kalkhaltig sind, lassen sich solche Ablagerungen meist nur mit sauren Reinigungsmitteln entfernen. Das ist insofern heikel, als viele Fassaden- oder Rahmenelemente empfindlich auf Säure reagieren. Die Rahmen müssen also geschützt, das Abwasser aufgefangen und die Reinigung sorgfältig geplant werden. Und das funktioniert nur mit Erfahrung und einer guten Koordination mit den anderen Fachfirmen auf der Baustelle. Im laufenden Betrieb hingegen, bei regelmässiger, in der Regel jährlicher Reinigung, stellt sich dieses Problem kaum.

Wie wichtig sind eigentlich die Temperatur und die Qualität des Wassers?
Alejandro Barrientos: Grundsätzlich spielt die Wasserqualität keine grosse Rolle, egal ob das Wasser hart oder weich, warm oder kalt ist. In der Praxis arbeiten wir vorwiegend mit lauwarmem Wasser. Heisses Wasser kann den pH-Wert der Reinigungsmittel verändern und dadurch unter Umständen Schäden verursachen. Eiskaltes Wasser wiederum ist unangenehm bei der Arbeit, vor allem bei längeren Einsätzen.

Und wann kommt Osmosewasser zum Einsatz?
Alejandro Barrientos: Osmosewasser ist entmineralisiertes Wasser, das mithilfe einer Membran oder eines Harzfilters von Mineralien befreit wird. Dadurch entstehen beim Trocknen keine Wasserflecken, und die Glasflächen bleiben streifenfrei. Der grosse Vorteil: In Kombination mit einer Teleskopstange und einer Bürste kann man damit ohne Einwaschen und Abziehen arbeiten. Das ist besonders effizient bei grossen oder schwer zugänglichen Fensterflächen, etwa bei fixverglasten Fenstern oder dort, wo keine Hebebühne eingesetzt werden kann. Dies ist bis zu einer Höhe von rund 15 Metern möglich, inklusive Rahmen und Fensterbänke. Einzig die Rillen müssen weiterhin von Hand gereinigt werden, oft mit Tuch und Schraubenzieher. Und genau das ist meist der aufwendigere Teil.

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Gibt es Einschränkungen beim Reinigen mit Osmosewasser?
Alejandro Barrientos: Ja, die gibt es. Der Druck, den man mit der Teleskopstange ausüben kann, ist deutlich geringer als beim klassischen Einwaschen von Hand. Stärkere Verschmutzungen lassen sich damit oft nicht ausreichend lösen.

Wichtig ist ausserdem: Osmosegeräte benötigen einen Wasseranschluss mit ausreichendem Druck. Ein einfacher Brunnenanschluss reicht in der Regel nicht. Und auch der Aufbau der Teleskopstangen ist nicht zu unterschätzen. Man muss also sorgfältig abwägen, wann welche Methode sinnvoll ist.

Was wird aus Ihrer Sicht bei der Fensterreinigung häufig falsch gemacht?
Alejandro Barrientos: Ein grosses Thema sind Fensterschaber. Das sind Werkzeuge mit einer messerscharfen Klinge, mit der sich nach dem Einseifen hartnäckige Verschmutzungen wie Fliegendreck oder Klebereste entfernen lassen. Anschliessend wird das Glas erneut eingeseift und sauber abgezogen, denn die Einwascher selbst sind nicht abrasiv. Dies ist eine effiziente, aber auch heikle Methode. Wenn die Klinge falsch gehalten wird oder sich Steinchen darunter befinden, können schnell Kratzer entstehen.

Noch kritischer wird es bei modernen ESG-Sicherheitsgläsern, die man am kleinen Siegel unten rechts erkennen kann. Diese Gläser sind speziell vorgespannt, sodass sie im Falle eines Bruchs nicht in kleine Teile zerspringen, ähnlich wie die Seitenscheiben bei Autos. Aufgrund ihrer höheren Oberflächenspannung sind sie jedoch auch deutlich empfindlicher gegenüber Kratzern. Deshalb dürfen auf solchen Scheiben keine Schaber verwendet werden.

Gibt es Alternativen zum Fensterschaber?
Alejandro Barrientos: Ja, es gibt spezielle Reinigungspads, zum Beispiel von 3M. Mit diesen lassen sich hartnäckige Verschmutzungen punktuell oder sogar vollflächig entfernen. Aber Vorsicht ist auch hier geboten. Wenn sich Sandkörner im Pad verfangen, kann die Scheibe trotzdem verkratzen. Auch diese Methode verlangt also ein sorgfältiges und geübtes Vorgehen.

Wie geht man eigentlich bei der Unterhaltsreinigung vor?
Alejandro Barrientos: Für die tägliche Unterhaltsreinigung von Glas-, Fenster- oder Spiegelflächen verwendet man in der Regel einen klassischen Glasreiniger in Kombination mit einem Mikrofasertuch. Diese Reiniger sind alkoholhaltig und ideal, um Fingerabdrücke, Staub oder leichte Verschmutzungen schnell und streifenfrei zu entfernen.

Und wie sieht es inzwischen mit robotergestützter Unterstützung aus?
Alejandro Barrientos: Aus asiatischen Märkten kennt man magnetische Fensterreiniger, die aus zwei Teilen bestehen. Ein Teil wird innen, der andere aussen angebracht und durch einen starken ­Magneten verbunden. Bewegt man den inneren Teil, folgt der äussere mit. Damit lassen sich Fenster von beiden Seiten gleichzeitig reinigen. Das funktioniert besonders bei dünnen Isolierverglasungen, ist bei grösseren oder schwer zugänglichen Flächen jedoch eher eine Spielerei.

Spannend ist auch der Einsatz von Drohnen. In der Fassadenreinigung wird dies bereits erprobt. Für Fenster fehlt derzeit allerdings noch die nötige Mechanik: Das Einwaschen erfordert Druck, und auch das Abziehen ist notwendig. Für die Reinigung loser Verschmutzungen wie Blütenstaub oder Sahara-Staub kann das Verfahren jedoch durchaus sinnvoll sein, beispielsweise als Vorreinigung oder zur Sichtverbesserung.

www.barrientos.ch

www.szff.ch

Portrait Alejandro Barrientos

Der Experte Alejandro Barrientos
ist stellvertretender Geschäftsführer von barrientos reinigungen und Mitglied des Fachverbands Schweizerische Zentrale Fenster und Fassaden (SZFF).