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Monotrac
(Fotos: Samuel Schindler)

Elektrisch mähen entlang der Autobahn

Das Tiefbauamt des Kantons Bern setzt für die Pflege von Autobahnböschungen, Rastplätzen und Biodiversitätsflächen einen elektrischen monotrac ein. Nach einem Jahr zeigt sich, wie sich das Gerät in der Praxis bewährt.

Daniel Kofmel hält seinen Transporter auf dem Ausfahrtsstreifen eines Autobahnabschnitts zwischen Spiez und Wimmis. Die Pritsche senkt sich, Kofmel lenkt den monotrac rückwärts von der Ladefläche und öffnet das Tor zur Böschung. Anschliessend steigt er auf die Mitfahrplattform und mulcht die bewachsene Rampe mit einem mechanischen Mulcher. Zügig meistert er den steilen Anstieg.

Oben öffnet sich eine rund 100 Quadratmeter grosse Fläche zwischen Bahngeleise und Autobahn, diesseitig gesäumt von dichten Hecken. Kofmel steigt von der Mitfahrplattform und führt die Maschine zu Fuss weiter. «Unter den Hecken kann ich die Holme zurücknehmen oder seitlich drehen und gleichzeitig die Äste zur Seite schieben», erklärt er. «Das ist sehr praktisch und das alles ohne Abgase und mit deutlich weniger Lärm.» Alternativ wäre hier eine Bedienung mit Fernbe­dienung möglich. Daniel Kofmel ist im Autobahnwerkhof Gesigen bei Spiez für den Grünunterhalt im Autobahnbereich zuständig und zufrieden mit dem monotrac.

Flächen, die wegen der erschwerten Zufahrt nicht abgeräumt werden können, mulcht das Team einmal jährlich. Das zerkleinerte Schnittgut bleibt liegen. Biodiversitätsflächen hingegen werden mit dem Balkenmäher bearbeitet, der unter anderem mit dem monotrac betrieben wird. «Das Schnittgut lassen wir zwei Tage liegen und führen es anschliessend ab», erklärt Daniel Kofmel. «Die meisten dieser Flächen werden im August gemäht. Bei nährstoffreicheren Wiesen erfolgt im Juni ein erster und im August ein zweiter Schnitt.»

Mehr Flächen für die Biodiversität
Seit der ersten Versuchsstrecke 2017 weist der Kanton Bern aufgrund der gewonnenen Erfahrungen laufend weitere Biodiversitätsflächen aus. Seit 2022 sind die Flächen inventarisiert, digitalisiert und es gelten spezifische Pflegekonzepte. «Bis 2030 soll der Anteil auf 30 Prozent wachsen. Wir wollen naturnahe Lebensräume schaffen, Grünflächen ökologisch aufwerten, ausgewählte Arten gezielt fördern und invasive Neophyten bekämpfen», erklärt Sandra Käsermann, Leiterin Umwelt beim Nationalstrassen Betrieb des Tiefbauamts des Kantons Bern. Grundlage ist die Strategie «Biodiversität Schweiz» (2025-2030), ein Aktionsplan des ASTRA, das als Auftraggeber auftritt. «Wir sind auf gutem Weg, das Ziel spätestens bis zum Ende des Aktionsplans zu erreichen.»

Welche Flächen infrage kommen, beurteilen Fachpersonen anhand des ökologischen Profils. Neben der Flora berücksichtigen sie auch Reptilien und Insekten. Gemeinsam mit den Pflegeverantwortlichen legen sie anschliessend Pflegemassnahmen fest. «Dabei entstehen mitunter Zielkonflikte: Verkehrssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Ästhetik und ökologische Anliegen müssen bestmöglich aufeinander abgestimmt werden», erklärt Sandra Käsermann. «Auch die Vernetzung der Lebensräume spielt eine wichtige Rolle. Deshalb werden Wildtierkorridore, -brücken und -unterführungen in die Biodiversitätsplanung einbezogen.»

Balkenmäher statt Mulchgerät
Die ökologischen Ziele beeinflussen auch die Pflegemethoden und die Wahl der Geräte. Auf Biodiversitätsflächen kommen vermehrt Balkenmäher anstelle von Mulchgeräten zum Einsatz. Sie ermöglichen eine angepasste Schnitthöhe und schonen mehr Insekten. Auch deshalb hat der Nationalstrassen-Betrieb, eine Abteilung des Tiefbauamts des Kantons Bern, einen monotrac mit Balkenmäher angeschafft. In dieser Leistungsklasse und für die vorgesehenen Einsätze gab es keine vergleichbare Alternative mit Fernbedienung.

Der elektrische Einachser ergänzt drei weitere Geräte für Mäh- und Mulcharbeiten entlang der Autobahnen und auf Rastplätzen. «Sowohl der Kanton als auch der Bund verfolgen das Ziel, ihre Fahrzeugflotten vollständig zu elektrifizieren und zu dekarbonisieren. Bei jeder Anschaffung wird deshalb geprüft, ob ein alternativ angetriebenes Fahrzeug oder Gerät die Anforderungen erfüllt, ganz nach dem Grundsatz ‹Electric First›.»

Um die Batterie herum entwickelt
Der monotrac wurde vom Unternehmen novaziun mit Sitz im bündnerischen Ilanz und in Zürich entwickelt. «Seit über zehn Jahren arbeiten wir im Bereich Elektromobilität und elektrifizieren Bau- und Spezialmaschinen, indem wir Verbrennungsmotoren und Hydrauliksysteme durch elektrische Antriebe ersetzen», erklärt Gründer Marco Sangklin-Schneider. 2019 rüstete novaziun dann erstmals einen Einachser mit Elektroantrieb aus. «Damit zeigten wir, dass Mähen ohne Abgase und mit deutlich weniger Lärm möglich ist. Gleichzeitig waren die Einsatzdauer begrenzt und die Gewichtsverteilung nicht optimal. Das war die Geburtsstunde des monotrac.»

Beim monotrac befindet sich die Batterie im Zentrum und um sie herum wurde die Maschine konzipiert. Das sorgt für eine ausgewogene Gewichtsverteilung und eine möglichst lange Laufzeit. Jedes Rad wird einzeln elektrisch angetrieben. Für leistungsintensive Arbeiten wie Schneefräsen, Mulchen oder Mähen mit breiten Balken lässt sich der monotrac mit der elektrischen Schnittstelle ePTO ausrüsten. Sie versorgt Anbaugeräte mit eigenem Elektroantrieb. Mit der mechanischen Schnittstelle mPTO können zudem bestehende Anbaugeräte von Aebi, Rapid, Köppl und Lipco weiterverwendet werden. 2025 ging der monotrac in Serie.

Daniel Kofmel

Der Experte Daniel Kofmel,
Fachperson Strassenunterhalt, Team Grünpflege, Autobahnwerkhof
Gesigen bei Spiez

Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag
Markus Räz, Fachperson Strassenunterhalt in der Grünpflege beim Autobahnwerkhof Bern-Wankdorf, arbeitet seit einem Jahr mit dem monotrac. Sein Team setzt ihn auf Raststätten und an Böschungen ein. «Da die Maschine während anderer Arbeiten wie dem Ausmähen von Hindernissen oder dem Entfernen von Abfall und Neophyten stillsteht, reicht der Akku auch mit Schlegelmähwerk oder Mulcher problemlos für einen 8,5-stündigen Arbeitstag», sagt er. Ein Nachladen sei in der Regel nicht nötig. Bei Bedarf lasse sich der Akku über Mittag mit dem Schnellladegerät in eineinhalb Stunden laden. «Diese Leistung ist beeindruckend.»

Nebst der Laufzeit schätzt Markus Räz die gute Übersicht von der Mitfahrplattform aus: «Man steht nahe am Anbaugerät und erkennt Steine oder andere Hindernisse frühzeitig.» Etwas Übung erfordere die direkt reagierende Steuerung. Auf eine erste Rückmeldung hin wurde deshalb eine weniger sensible Zwischenstufe
programmiert. Offen bleibt der Wunsch, die Steuerung individuell anpassen zu können. Dies würde die Bedienung des monotrac zusätzlich erleichtern.

«Sehr praktisch ist auch der Tempomat», sagt Markus Räz und betont gleichzeitig, wie wichtig eine sorgfältige Einführung und die Weitergabe des Wissens im Team ist, um das ganze Potenzial des Geräts zu nutzen. «Die Umstellung auf Elektro­geräte wirft bei Mitarbeitenden meistens Fragen auf: Reicht die Akkulaufzeit? Ist die Bedienung kompliziert? Was geschieht bei Regen? Die besten Antworten liefert der praktische Einsatz», weiss Markus Räz aus Erfahrung. Und er behielt Recht: Nach einem Jahr gehört der monotrac zum Arbeitsalltag dazu und liefert wertvolle Erkenntnisse für den weiteren Ausbau des elektrischen Maschinenparks.

monotrac.ch

Markus Raez

Der Experte Markus Räz,
Fachperson Strassenunterhalt, Team Grünpflege, Autobahnwerkhof Bern-Wankdorf