Das Magazin für Gebäudeunterhalt und Hauswartung

PET Recycling

Abfallmanagement mit System: Vom Flickenteppich zum klaren Prozess

Wer weiss, wo im Gebäude Abfall entsteht, wie er fliesst und wer verantwortlich ist, kann Kosten senken, Ressourcen schonen und den Betrieb entlasten. Dazu braucht es keine grossen Investitionen, sondern ein klares Konzept. Das sagt Roland Habermacher, Fachberater bei Swiss Recycle.

Roland Habermacher weiss, wovon er spricht: Der gelernte Recyclist EFZ ist seit über 20 Jahren im Wertstoffmanagement tätig und berät bei Swiss Recycle Gemeinden und Unternehmen. «Viele Betriebe wollen nach­haltiger werden und ihr Engagement auch sichtbar machen. Mit Massnahmen im Entsorgungsprozess und der Abfall­vermeidung lässt sich das sehr gut zeigen», nennt er einen zentralen Grund, das Abfallmanagement genauer anzuschauen und dabei funktionierende Prozesse zu bestätigen oder Optimierungspotenzial zu erkennen.

Seine Beratungen führt Habermacher jeweils vor Ort durch und trifft dort auf unterschiedliche Ausgangslagen. «Ein Produktionsbetrieb mit drei Mitarbeitenden kann mehr Abfall erzeugen als ein Büro mit hundert Personen. Entscheidend ist, was dort tatsächlich passiert.» Sein Ansatz ist dabei bewusst pragmatisch und folgt immer derselben Logik: Wo fällt Abfall an, wie wird er erfasst und weitergeführt?

Daraus ergibt sich ein klar strukturierter Entsorgungsprozess in vier Schritten (siehe Grafik) – von den Sammelpunkten (A) über das Sammelangebot (B) bis zu den Erstgebinden am Anfallort (C) und den Endgebinden am Zielort (D). «In ­einem ersten Schritt müssen diese Übergänge sauber ineinandergreifen und die Verantwortlichkeiten klar geregelt sein. Und erst, wenn der Gesamtprozess funktioniert, lassen sich die einzelnen Punkte optimieren.»

Blick in den Kehricht lohnt sich
«Viele Entsorgungssysteme stammen aus den 1970er-Jahren und wurden seither wahllos ergänzt», weiss der Experte. Das heisst, neue Fraktionen wie PET-Getränkeflaschen, Aludosen oder Toner kamen hinzu, aber ohne Gesamtkonzept. «Das Resultat sind unterschiedliche Sammelstellen, verschiedene Gebinde und un­einheitliche Beschriftungen.» Kurz, ein Flickenteppich. Sind Gebinde zudem verschmutzt, steigt die Fehlerquote zusätzlich. Die Folge: Wertstoffe landen im Restabfall, den Roland Habermacher im Rahmen seiner Beratungen immer kontrolliert. «Dort wird rasch sichtbar, welche Materialien im Kehricht landen, die eigentlich recycelt werden könnten.» Typische Beispiele sind Kunststofffolien, Umreifungsbänder, Styropor oder Karton. «Trotzdem ist es nicht sinnvoll, alles zu sammeln, was gesammelt werden kann», sagt er und knüpft eine Sammlung an drei Voraussetzungen:
Erstens: Wenn Mitarbeitende für die Entsorgung weite Wege zurücklegen müssen, funktioniert das System in der Regel nicht. Anders ist es, wenn sich Materialien direkt im Arbeitsprozess trennen lassen, etwa beim Auspacken. Reicht ein Handgriff und landet das Material am richtigen Ort, kann eine separate Sammlung sinnvoll sein.
Zweitens: Im Betrieb muss bekannt sein, welche Mengen tatsächlich anfallen. Hier helfen einfache Testläufe, zum Beispiel eine Woche oder einen Monat konsequent sammeln. Aus solchen Daten lassen sich Jahresmengen ableiten. Ein Beispiel: Ein Betrieb mit vielen Etiketten prüft das Recycling des Trägerpapiers, das neu möglich ist. 100 Kilogramm Folie pro Woche ergeben mehrere Tonnen pro Jahr. In solchen Fällen lohnt sich eine separate Sammlung fast immer.
Drittens: Es braucht Abnehmer, die das Material übernehmen. Die gibt es inzwischen für Trägerfolien, aber beispielsweise nur bedingt für Kork. Die Konsequenz: Nicht alles, was sich theoretisch sammeln lässt, ist auch sinnvoll.

Weniger Handgriffe, bessere Abläufe
Im nächsten Prozessschritt (C) geht es um die Erstgebinde, also die Orte, an denen der Abfall anfällt. Dafür gilt eine klare Regel: der Abfall sollte durch möglichst wenige Hände gehen. Idealerweise wird Abfall dort entsorgt, wo er entsteht und zwar in einem Behälter, der ohne Umwege in das Endgebinde überführt werden kann. «Fehler entstehen häufig durch zu kleine Gebinde, eine schlechte Platzierung, fehlende Beschriftungen oder unklare Verantwortlichkeiten», sagt Roland Habermacher. Die Folge sind unnötige Laufwege, Frust und ineffiziente Abläufe. Einfache Massnahmen wie grössere Behälter, die gut platziert und klar beschriftet sind, helfen, ebenso wie klar geregelte Zuständigkeiten.

Ein Beispiel aus der Reinigung: «Das Reinigungspersonal sammelt das von den Mitarbeitenden büroweise bereitgestellte Papier und entsorgt es am Ende der Tour zentral. Entscheidend ist, dass jemand dafür verantwortlich ist», betont Roland Habermacher.

Endpunkt Lager: Sicherheit ist entscheidend
Der letzte Prozessschritt (D) betrifft das Endgebinde. Hier verschiebt sich der Fokus: Es geht nicht mehr um Komfort, sondern um Sicherheit. Ein aktuelles Beispiel sind Lithium-Ionen-Akkus: «Diese müssen wegen Brandgefahr separat gesammelt werden, um eine allfällige Wärmeentwicklung zu kontrollieren.» Auch für Chemikalien oder Altöl gelten klare Vorgaben. Neben dem Brandschutz stehen insbesondere der Gewässerschutz und die Arbeitssicherheit im Vordergrund. Diese Anforderungen werden von Behörden definiert und können je nach Kanton variieren. Mit diesen Vorgaben verbunden ist auch die Pflicht zur Dokumentation, insbesondere bei Sonderabfällen. Darüber hinaus lohnt sich Transparenz auch im Betrieb: «Wer weiss, welche Mengen anfallen, welche Kosten entstehen und was tatsächlich recycelt wird, erkennt schneller Potenziale und spart oft auch Kosten.»

Grafik Entsorgungsporzess

Die Grafik zeigt den Entsorgungsprozess in vier Schritten: von den Sammelpunkten (A) über das Sammelangebot (B) zu den Erstgebinden (C) und den Endgebinden (D). Entscheidend sind klare Abläufe und Zuständigkeiten – nur so funktioniert das System reibungslos. (Grafik: zVg.)

Kreislauf beginnt vor dem Abfall
Recycling ist übrigens nur ein Teil der Kreislaufwirtschaft, die zunehmend gefordert wird und einer klaren Reihenfolge folgt: vermeiden, wiederverwenden, recyceln, entsorgen. Das bedeutet: Recycling und Entsorgung sind erst die letzten Schritte. Zuvor geht es darum, Abfall möglichst gar nicht entstehen zu lassen sowie Produkte wiederzuver­wenden oder zu reparieren. «Oft liegt das grösste Potenzial im Einfachen, also Kartonverpackungen mehrfach zu nutzen, Kanister von Reinigungsmitteln zurückzugeben und wieder befüllen zu lassen sowie Produkte zu reparieren, statt sie zu ersetzen.»

Vieles davon hängt aber vom Design der Produkte selbst ab und liegt damit in der Verantwortung der Hersteller: Wird eine Verpackung nicht kreislauffähig entwickelt, lässt sie sich später nur schwer recyceln. Das Gleiche gilt für Produkte: Nur ein durchdachtes, kreislauffähiges Design ermöglicht Reparaturen. Entsprechend sind die Produzenten gefordert, ihre Produkte möglichst langlebig, reparierbar und recyclingfähig zu gestalten. Dieser Anspruch gewinnt zunehmend an Bedeutung – auch regulatorisch. In der Schweiz schaffen die Revisionen des Umweltschutzgesetzes (USG), des Energiegesetzes (EnG) und des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) einen übergeordneten Rahmen für die Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, Umweltbelastungen und Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Gleichzeitig sollen die Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit der Schweizer Wirtschaft gestärkt und neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Konzept und Schulung
Aber zurück in den Betrieb und zur Beratung von Roland Habermacher, die rund 3000 Franken kostet und hersteller­unabhängig erfolgt. «Es ist sinnvoll, ein funktionierendes System in Form eines Konzepts oder Handbuchs schriftlich festzuhalten. Vielleicht reicht dazu eine einfache A4-Übersicht. Entscheidend ist die Alltagstauglichkeit: Gerade bei Personalwechseln oder im Schichtbetrieb sorgt eine klare Dokumentation für Kontinuität», sagt der Experte.

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist und bleibt die Verantwortung. «Wenn sich niemand zuständig fühlt, ist alles nur halb so gut», betont Habermacher. In vielen Fällen ist es der Hauswart, in der Produktion kann es auch mal ein Staplerfahrer sein. Sie müssen wissen, wie das System funktioniert und sind die Schnittstelle zu externen Entsorgungsdienstleistern. Ebenso wichtig ist anschliessend die Schulung: Neue Abläufe müssen erklärt und eingeübt werden. Nur so wird das System im Alltag tatsächlich gelebt, und zwar sowohl von den Mitarbeitenden im Entsorgungsdienst als auch vom restlichen Team, das Coladosen, Toner oder Papier im Alltag korrekt entsorgen soll.

www.swissrecycle.ch

Entsorgung Roland Habermacher

Der Experte Roland Habermacher
ist seit 2006 bei Swiss Recycle tätig und verantwortet dort Recycling-Check-Ups. Der gelernte Landwirt EFZ absolvierte später die Ausbildung zum Recyclist EFZ sowie ein CAS in Recycling und Entsorgung. Seit 2000 ist er in der Recyclingbranche tätig und engagiert sich zudem als Fachschullehrer und Chef­experte für den Beruf Recyclist EFZ.

Vom Lieferanten zum Kreislaufpartner

Kreislaufwirtschaft hängt weniger von einzelnen Lösungen ab als davon, wie gut Beschaffung, Rücknahme und bestehende Entsorgungsstrukturen zusammenspielen. Wie das funktionieren kann, erklärt Mischa Heer, Sustainability Manager bei Lyreco. Viele Unternehmen organisieren Beschaffung und Entsorgung getrennt – und genau das macht Prozesse unnötig kompliziert. Wer beides zusammen denkt, gewinnt vor allem eines: Einfachheit im Alltag.

Lyreco versteht sich deshalb zunehmend als Kreislaufpartner. Das bedeutet konkret: Es werden nicht nur Produkte geliefert, sondern Materialien wie Toner, Batterien, Kaffeekapseln oder PET auch direkt wieder zurückgenommen. Im Betrieb gesammelt, können diese bei der nächsten Lieferung mitgegeben werden. Zusätzliche Logistik oder neue Schnittstellen entfallen. Ein zentraler Hebel ist die Mehrwegbox. Sie reduziert den Verpackungsabfall jährlich um rund 160 Tonnen und kann gleichzeitig zur Sammlung von Wertstoffen genutzt werden. Kreislauf wird so Teil des Alltags und nicht zu einem separaten System. «Unsere Stärke liegt darin, die bestehende Logistik ohne weitere Leerfahrten zu nutzen. Unsere Chauffeure nehmen Materialien bei der nächsten Lieferung direkt wieder mit. So wird Rücknahme Teil des normalen Prozesses und nicht ein zusätzlicher Aufwand», erklärt Mischa Heer, Nachhaltigkeitsmanager bei Lyreco Schweiz.

Gleichzeitig ist klar: Zusätzliche Rücknahmelösungen sind kein Ersatz für bestehende Entsorgungsstrukturen. Viele Unternehmen arbeiten bereits mit regionalen Entsorgern oder etablierten Systemen. Wer hier unkoordiniert zusätzliche Lösungen einführt, schafft schnell Doppelspurigkeit statt Effizienz – etwa bei PET, wo wir darauf achten, bestehende Sammelkreisläufe sinnvoll zu ergänzen, statt sie zu konkurrenzieren.
Der Ansatz von Lyreco ist bewusst pragmatisch: Lösungen werden dort eingesetzt, wo sie Prozesse wirklich vereinfachen. Bestehende Systeme bleiben bestehen, wenn sie gut funktionieren. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Lösungen, sondern ihr Zusammenspiel für den Kunden.

www.lyreco.ch

Entsorgung Sidestory Lyreco Mischa Heer

Mischa Heer,
Sustainability Manager bei Lyreco

Buch