Es ist ein bahnbrechender Schulterschluss, aber zugleich ein durchaus logischer. Denn die beiden Unternehmen weisen in ihrer Geschichte einige Gemeinsamkeiten auf. Nach ihrer Gründung in Cannstatt – nahe Stuttgart und den heutigen Standorten Winnenden (Kärcher) und Waiblingen (Stihl) – arbeiteten die beiden Gründer zeitweise nur rund 300 Meter voneinander entfernt. Schon damals ergänzten sich ihre Produkte. «Während des Kriegs entwickelte Stihl beispielsweise einen Traktor, Kärcher den passenden Anhänger», nannte Hartmut Jenner, Vorsitzender des Vorstands von Kärcher, eines von mehreren Beispielen. Auch heute greifen viele Produkte ineinander: Stihl bläst beispielsweise das Laub zusammen, die Kehrmaschinen von Kärcher nehmen es auf.
Kurz und gut, für Kärcher und Stihl gab es viele Gründe, ihre Köpfe zusammenzustecken und die gemeinsame Akkuplattform AllPro zu entwickeln. Herzstück der Plattform ist das bestehende 36-Volt-Akkusystem von Stihl, das nun weiterentwickelt wurde und künftig 120 Geräte von Kärcher und Stihl antreibt und zwar in den Segmenten Forst, Garten und Landschaftsbau, Reinigung und Bau. Das heisst, Akkus und Ladegeräte sind herstellerübergreifend kompatibel und sorgen für deutlich mehr Flexibilität im Arbeitsalltag. Die neuen Akkus sind bei Stihl seit August erhältlich. Kärcher lanciert den Marktstart Anfang 2027. In die Entwicklung der Batteriesysteme investierte Stihl in den vergangenen drei Jahren einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag und Kärcher in die Anpassung der eigenen Geräte an die Stihl-Akkus zehn Millionen Euros.
Die Technik dahinter
Das Akkusystem AllPro bietet zwei Technologiestufen: Die Basis bildet die bewährte und entsprechend günstigere Tab-Technologie. Neu entwickelt hat Stihl die High-Performance-Klasse mit der Tabless-Zellarchitektur. Der Unterschied: Bei der Tab-Technologie verlässt der Strom die Akkuzelle über einzelne kleine Kontaktlaschen (Tabs). Diese wirken wie ein Flaschenhals und bremsen den Stromfluss. Bei der Tabless-Technologie entfällt dieser Engpass. Statt über einzelne Laschen wird der Strom über die gesamte Kontaktfläche der Elektrode abgeführt, vergleichbar mit einem viel grösseren Flaschenhals. Dadurch sinkt der Innenwiderstand der Zelle um 45 Prozent und es entsteht deutlich weniger Wärme. Das heisst, die eigentliche Innovation der Tabless-Technologie liegt darin, wie der Strom aus der Zelle herausgeführt wird und das bringt zahlreiche Vorteile:
- 60 Prozent höhere Spitzenleistung aus der Zelle.
- Deutlich geringere Wärmeentwicklung durch den tieferen Innenwiderstand. Dadurch kann ein grösserer Teil der verfügbaren Energie genutzt werden.
- Sofort wieder aufladen: Da sich der Akku weniger erwärmt, muss er vor dem Laden nicht erst abkühlen.
- Bis zu 50 Prozent mehr Leistung bei tiefen Temperaturen.
- 40 Prozent kürzere Ladezeiten: Der Ladestrom konnte von 8 auf 14,5 Ampere erhöht werden. Dadurch lassen sich die Akkus in weniger als zehn Minuten auf 80 Prozent laden – vergleichbar mit dem Schnellladen bei Elektroautos.
- Bis zu 3000 Ladezyklen ohne nennenswerte Leistungseinbussen. Das entspricht je nach Nutzung einer Verdoppelung der Lebensdauer.
Die passende Ladetechnik
Mit fortschreitender Akkutechnologie steigen natürlich auch die Anforderungen an die Ladetechnik. Spätestens ab rund 20 Akkus suchen viele Kundinnen und Kunden nach Lösungen, die über einfache Einzelladegeräte hinausgehen. Die AllPro-Plattform bietet deshalb je nach Einsatz unterschiedliche Ladelösungen an, für das Laden tagsüber, nachts, im Betrieb, auf dem Fahrzeug oder direkt am Einsatzort. Einige Beispiele:
AL 101 – der Nachtlader: Dank geringer Ladeleistung können mehrere Ladegeräte an einer Sicherung betrieben werden. Die Akkus werden über Nacht schonend geladen.
AL 301 – der Allrounder: Das Ladegerät mit 300 Watt Ladeleistung eignet sich je nach Anwendung und Akkugrösse sowohl zum Zwischenladen am Tag als auch zum Laden über Nacht.
AL 1802 – der Schnelllader: Lädt einen Akku in nur neun Minuten auf 80 Prozent. Dank zwei Ladeplätzen können zwei Akkus wahlweise gleichzeitig oder nacheinander geladen werden. Das wetterfeste Gerät lässt sich auch auf Fahrzeugen installieren. So entsteht ein rotierendes Akkusystem, mit dem sich ein ganzer Arbeitstag ohne Ladeunterbrüche mit nur zwei Akkus bewältigen lässt.
CM 12 – das Charging Management System: Das System ermöglicht den Betrieb von bis zu zwölf Ladegeräten an einer einzigen Steckdose. Die Ladegeräte werden häufig in einem Charging Rack übersichtlich und sicher montiert. Das CM 12 schaltet Akkus intelligent zu und ab, sodass alle bis zum Arbeitsbeginn geladen sind, ohne die Elektroinstallation zu überlasten. Eine kostspielige Aufrüstung der Gebäudeinstallation ist dadurch in der Regel nicht nötig.
Mit der gemeinsamen Plattform und der neuen Tabless-Technologie machen Kärcher und Stihl mehr als deutlich, dass die Weiterentwicklung professioneller Akkusysteme nicht nur im Gerät selbst stattfindet, sondern im Zusammenspiel von Akku-, Lade- und Gerätetechnik. Und diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt: das AllPro Partnernetzwerk soll kontinuierlich weiterwachsen und neuen Partnern offenstehen.